16.08.2008, am Telefon der Serviceberater der Opel-Werkstatt:
“Ja, hallo Herr Geldner? Also, wir haben nicht alle Teile da, Ihre Bremsen kriegen wir heute nicht mehr hin. Aber Montag klappts.”
“Montag sitz ich schon im Flieger, dann können Sie sich ruhig 2 Wochen Zeit lassen…”
18.08.2008, im ICE auf dem Weg nach Frankfurt:
Durch den Spalt zwischen den Sitzlehnen vor mir erhasche ich einen Blick auf eine der Titelschlagzeilen der Frauenzeitschrift, die von einer anonymen Mitreisenden gelesen wird: “Sind Kollegen schlecht für meine Figur?”
Die Innenseite einer der Klotüren im Flughafen ist mit der myspace-Adresse einer Grindcore-Band beschrieben. Aber trotz einprägsamem Namen und offensivem Werbeansatz ist es mir zwei Wochen später zurück am heimischen Rechner nicht mehr möglich, den Account von “DecomposingNecroCunt” aufzufinden.
18.08.2008, Flug MH005 nach Kuala Lumpur:
Eine halbe Stunde nach dem Start wird mir die erste Runde Bier angeboten. Eine Stunde später hätte ich, würde ich auf alle Angebote eingehen, schon 3 Dosen intus. Meine verstohlenen Blicke auf dem Weg zur Toilette suchen die Sitzreihen mittlerweile nach Mitreisenden ab, die im Gegensatz zu mir nicht dankend abgelehnt haben. Wobei sich im Nachhinein die Frage stellt, ob das angebotene “Heineken” und “Tiger Beer” vielleicht doch noch unter “Softgetränk” läuft?
Aus dem MoviesOnDemand-Angebot auf dem kleinen Monitor vor mir picke ich mir “Iron Man” heraus, den ich zwar schon kenne, aber auch noch ein zweites Mal gut vertrage.
19.08.2008, Ankunft in Kuching, Borneo:
Die Schwäche des malaysischen Fahrzeugs ansich scheint der Keilriemen zu sein. Zu dutzenden fallen sie einem zuerst ins Auge, wenn man an den meist von Chinesen betriebenen Werkstätten und Ersatzteilhändlern in Kuching vorbeikommt. Der akustische Eindruck, den anfahrende Autos und Kleinbusse hinterlassen, rundet das Bild ab. Aber: eine Südostasien-Reise beginnt erst dann so richtig, wenn man das Auto, mit dem man vom Flughafen abgeholt wird, und das aufgrund zweier Typenschilder keiner Marke eindeutig zugeordnet werden kann, eigenhändig angeschoben hat.
Auf einem anderen technischen Gebiet ist man vorort allerdings um Welten weiter:

21.08.2008, Kuching:
Wenn hier jedes Getränk geschmacklich darauf ausgelegt ist, dass es auf jedenfall zusammen mit sich rapide auflösenden Eiswürfeln gereicht wird, und selbst stilles Wasser einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt, bleibt wirklich nur eine Konstante: Coca Cola.
23.08.2008, Bako National Park
Verweilen Sie einen Moment mit mir. Währenddessen: Affen.

25.08.2008, Ankunft im Hilton Batang Ai Longhouse Resort:
Sollte man die gleichen Urlaubsfotos wie vor 2 Jahren ein zweites Mal machen? Frage ich mich, während ich hier in meiner am Hintern geflickten Cargohose sitze. Wie letztes Mal. Das mit der Hose, nicht das mit den Fotos. Ich entschließe mich für “weniger Fotos” und “mehr alte Fotos zwischen die neuen schmuggeln”.
Oh, Déjà-vu: Tropenregen. Kunststück, in den Tropen.
Später am Abend, geistige Notiz an mich selbst: das 33,6er Modem, das zuhause im Keller liegt, nicht wegwerfen. In malaysischen Luxushotels kann man damit wunderbar die halbe Stunde Internet für 10 Ringit (~2 Euro) anbieten, wohlgemerkt ohne dabei rotzuwerden.
26.06.2008, auf dem Zimmer:
Das konsequente Ausblenden von “fuck” in jeglicher Form wird in Malaysia spätestens dann wirklich interessant, wenn man einen Film wie “The Departed” sieht. Insgeheim bin ich aber ganz glücklich, dass sie wirklich nur ausblenden, und die entsprechenden Stellen nicht mit hochfrequenten Straftönen versehen. Währenddessen liefert FujiFilm in den Werbepausen ein Paradebeispiel für das Lösen von Problemen durch Ignorieren eben jener: “Print it or lose it!”, als Slogan für den 10×15-Print als Backup für digitale Bilddateien. So kann man dem digitalen Zeitalter auch davonlaufen.
Ganz nebenbei: wer auch immer hier die sowieso selten anzutreffenden Pissoirs aufgehängt hat, scheint von einer sehr kleinen Körpergröße bei sich oder einer imensen Penislänge bei mir ausgegangen zu sein. Ich fühle mich geschmeichelt.

Später am Abend: Großartig. Im Dunklen auf einem Bootsanlieger liegen, über einem ein Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung, aus dem Handy “The dark side of the moon”, von vorne bis hinten, wobei ich “Money” geflissentlich übersprungen habe.
Entschädigt ein halbes dutzend Fledermäuse, die einem um den Kopf flattern, für den verpassten “Dark Knight”-Kinostart?
28.08.2008, AirAsia-Flug von Kuching nach Kuala Lumpur:

“Im unwahrscheinlichen Falle eines Druckabfalls bewahren Sie bitte die Ruhe, knibbeln Sie die letzten Revisionsaufkleber von den Klappen über Ihnen, ziehen Sie eine der erst danach herunterfallenden Atemmasken zu sich heran, und stellen Sie dann gefälligst das panische Hyperventilieren ein…”
28.08.2008, 11 Stunden Aufenthalt in Kuala Lumpur:
Gepäck aufgeben, beim gefühlt langsamsten BurgerKing der südlichen Halbkugel etwas essen, mit dem Expresszug in die Stadt,…

…mit der Monorail noch weiter in die Stadt, die letzten 500m zu Fuß gehen, unendliche Autoschlangen hinter sich lassen, die Petronas-Towers mangels Restkarten nur von unten sehn, sich stattdessen im Einkaufszentrum darunter fast eine Lungenentzündung holen, tonnenweise Zeit in einem sehr beeindruckenden Buch-”Laden” verbringen, Angebote für fast echte Rolex-Uhren ablehnen, noch mehr schwitzen, die Stadt zu Fuß erkunden, mit der Monorail zurück zum Hauptbahnhof fahren, in 28 Minuten mit dem Expresszug zurück zum Flughafen fahren. Okay, das war Kuala Lumpur? Been there, done that.
Abends um 23 Uhr am Gate: Warum man Kleinkinder, denen man die Umstände einer Reise mit dem Flugzeug nicht erklären kann (geschweige denn einen Drucksausgleich für Start und Landung), unbedingt auf einen 12h-Nonstop-Flug mitnehmen muss, erschließt sich mir nicht so 100%ig. Ebenso wenig wie die im konkreten Fall sonst angewendeten Erziehungsmethoden: “Jetzt sei endlich still, ansonsten musst Du zurück zum Papa!”
29.08.2008, FFM:
Ein Schokomuffin zum Frühstück.
Mit Biohazards “Love denied” in dem Ohren fahre ich in den Bahnhof von Nürnberg ein. Dem Soundtrack des Moments diametral gegenüberstehend holt mich dort meine Mutter ab. Aber so richtig angekommen bin ich noch nicht.
Epilog:
29.08.2008:
“Wir müssen uns beeilen Smithers, das Waisenhaus zerstört sich nicht von selbst!”. Die erste Simpson-Folge, aber immer noch nicht angekommen.
30.08.2008:
Bevor es zurück nach Berlin geht, mache ich mit meinem Vater 2 Ster Holz. Schon deutlich mehr zurück aus Malaysia, aber noch nicht ganz.
31.08.2008:
Bevor ich mir am Potsdamer Platz “The dark knight” anschaue, bestelle ich bei “Curry Baude” am Gesundbrunnen eine “Currywurst ohne Darm, mit Brötchen”. Doch, so langsam bin ich wieder da…