Archive for the “Hauptsache Hauptstadt” Category

“Gesunde Paranoia” ist spätestens dann nicht mehr so “gesund”, wenn man sich morgens in der U9 fragt, wann die rotäugige fiebrig-wirkende Schniefnase vom Sitz gegenüber wohl das letzte Mal in Mexiko war…

(”Mexiko” bitte durch das zum Zeitpunkt des Lesens an Berlin näheste Land mit bestätigten Schweinegrippefällen ersetzen)

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Namenloser Tourist Anfang 60:
“Fahren Sie auch über Alexanderplatz?”

Namenloser Linie200-Busfahrer Mitte 40:
“Da halt ich sogar für Sie an wenn ’se woll’n!”

Heute lebe ich seit 6 Jahren in Berlin, und ich glaub ich häng noch ein paar Jahre dran :)

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Das Böse hat viele Gesichter.

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Wenn mich bis heute jemand gefragt hat, warum ich die Gegend um den Kudamm die meiste Zeit großräumig meide, konnte ich das – außer sehr subjektiv – nie wirklich richtig begründen.

Aber zum Glück gibts im Kudamm-Karree ja Gastronomie-Übersichtstafeln.

“Berlins neue Perspektive” liest sich da fast schon etwas wie eine Drohung…

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Stiefel, Schal, Mütze, Kopfhörer, auf der SD-Karte die “Come in and burn”. Los gehts…

Soundtrack: “During a city”, Rollins Band

“And this city’s in my blood like a curse
And the people and the noise only make it worse
And I can’t tell you why there’s no place I’d rather be
Where am I going? Where am I going? Where am I going? Where am I going?”

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Für einen kurzen, aber wirklich nur ganz kurzen Moment hab ich mich wirklich gefragt, ob sie DAS jetzt auch schon als Sportart durchgehen lassen. Die Schlagzeile passte einfach zu gut:

“Schüttler sagt ab – Handgelenk entzündet”

Gestern gesehen im “Berliner Fenster”, dem Ubahn-TV der Berliner Verkehrsbetriebe. Wo der Text groß und die Schlagzeilen kurz sind. Und die Redakteure manchmal anscheinend mit einem unfreiwilligen oder unschuldigen Humor gesegnet sind…

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(Text: “Biete Massagen für Frauen von Mann bin in der Ausbildung zum Therapeuten”)


So rein vom Zynismus-Grad her müsste der Verfasser ein grandioser Gesprächspartner sein. Damit endet übrigens eine der Geschichten aus einem alten Eintrag, konkret die recht fruchtlose Zweierbeziehung “Schlecker <=> Eulerstraße”.


Ich hätte mir die Emailadresse aufschreiben und ein paar Wochen später mal die Erfolgsquote abfragen sollen…


Ich kann mich immernoch nicht ganz entscheiden, ob das ein Frage- oder Ausrufezeichen sein soll.

Vielleicht weiß ichs Ende 2009…

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Und so ist es wieder Herbst geworden, die Tage werden kürzer, das Wetter ungemütlich, die Natur bereitet sich auf den Winter vor. Die Blätter der Bäume werden erst gelb, und fallen dann ganz ab. Und während die Menschen Holz und Briketts für die kalten Tage bereitlegen, ziehen die Vögel in den Süden.

Alle, bis auf einen: der Spaßvogel.

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Irgendwann wird es soweit sein. Ich werde am Gesundbrunnen in die Ringbahn steigen, und bei wirklich ausnahmslos jeder Station die Möglichkeit haben, auszusteigen und in ein Einkaufs-Zentrum oder einen Baumarkt zu gehen. Heute klappt das gerade mal bis Treptower Park (rechtsrum), und auch nur, wenn ich das fehlende Center an der Prenzlauer Allee mit dem gerade entstehenden zweiten (”Was brennt noch außer einer Hexe?” “NOCH MEHR HEXEN!!!”) am Gesundbrunnen ausgleiche. Vor- oder Nachteil, je nach Perspektive, des Ganzen ist, dass im jeweiligen Umkreis plötzlich Ladenlokale leerstehen, die dank schlechter Vermietbarkeit vom jeweiligen Besitzer an die unterschiedlichsten Leute vermietet werden. Das wiederum treibt in meiner Straße seit ein paar Jahren immer mal wieder seltsame Blüten: gut, dem “Kartenspielverein” schräg gegenüber (”Provionsfrei zu vermieten!”) hätte vielleicht jemand sagen sollen, dass es nach einer Schließung wegen Drogenhandel nicht gerade eine güldene Idee war, sofort wieder mit dem Dealen anzufangen. Der Kinderhort hingegen, der in einer ehemaligen Fleischerei sein Zuhause gefunden hat, scheint sich höchster Beliebtheit zu erfreuen. Ob die Innenräume immernoch großflächig weiß gefliest sind, weiß ich allerdings nicht. Zu den beiden obligatorischen Eckkneipen gesellt sich im Kreise der einigermaßen erfolgreichen abschließend noch das “Ballett im Wedding” (ich warte auf “Ausdruckstanz in Marzahn” und “Lyrik in Neukölln”). Richtig interessant wird es allerdings bei den Etablissements, die mit schöner Regelmäßigkeit von Gewerken bevölkert werden, die über die niedrigen Mieten das absolute Nichtvorhandensein von Zielgruppen für Ihre Waren und Dienstleistungen übersehen. Gut, dass Schlecker sich trotz besseren Wissens (3 Drogeriemärkte im Gesundbrunnen-Center) im ehemaligen und jetzt sanierten “Club Cleopatra” einmietet, mag mit der Expansionspolitik des Unternehmens zutun haben, aber trotzdem kann es nicht im Interesse der Geschäftsführung sein, dass man sich dort Samstags mit der Frau an der Kasse bequem eine halbe Stunde unterhalten könnte, ohne von anderen Kunden behelligt zu werden. Und wenn man sich in der Filiale einer polnischen Bäckerei-Kette eine sonntägliche Frühstücks-Leitkultur-Debatte liefern muss (”Guten Morgen, ich hätte gerne 3 Croissants” “Croissants? Sowas haben wir nicht.”), ist nicht weiter fraglich, warum der Laden nach 2 mageren Monaten wieder dicht macht. Der Blumenladen, der sich wacker ein Jahr gehalten und bereitwillig meine Pakete entgegengenommen hatte, musste sich ebenso dem unpoetischen Charakter des Viertels geschlagen geben wie die Instrumentenbauerin, die nach dem Tränengas-Überfall noch tapfer ein paar Wochen durchgehalten hat. Dort residiert seit kurzem “Style your body”, das Fachgeschäft für “Fitness- und Sporternährung”. Der Countdown läuft. Als aktuellster im Bunde hat im früheren Gemüseladen direkt gegenüber Hardy sein “Tabak Land” aufgemacht. Und obwohl die Betreiber wirklich nette Leute sind, sie viel Mühe und Geld in den Umbau gesteckt haben, die Nachbarschaft mit Flyern zugeschmissen haben und es außer Tabak noch Getränke, Naschkram und Zeitschriften gibt, ist hier irgendwie nicht so richtig der Markt für 15-Euro-Zippo-Feuerzeuge und 20 verschiedene Tabaksorten. Oder um es mit Werner aus dem ersten Stock zu sagen: Totgeburt.
Werner hat seine Drogerie im Erdgeschoss übrigens vor 4-5 Jahren dichtgemacht, und nach einem Modellbau-begeisterten Studienrat und einer ketterauchenden und Gasrechnung-ignorierenden Kleinfamilie wohne jetzt ich dort. Seit gestern steht das Gerüst am Haus, und spätestens im September werden statt des Schriftzuges “Farben, DROGERIE, Foto” nur noch die großen Schaufenster und meine barbarische Heizkostenrechnung davon zeugen, dass in meinem Wohnzimmer mal Baldrian, Kindernahrung und Kohlen unters Volk gebracht wurden. Und auch dafür wäre ich nicht die Zielgruppe gewesen.

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Die letzten Strahlen der Sonne recken ihre flirrenden Finger über den Horizont als er aufbricht. Einige Mücken, durcheinander vom harten Kontrast zwischen Restwärme des schwindenden Tages und dem kühlen Hauch der heraufziehenden Dunkelheit, versuchen sich an seine Fersen zu heften, doch vergeblich. Als er sie und die anderen hinter sich lässt, lässt er auch den vergangenen Tag von sich abgleiten, in Gedanken bereits in den eigenen vier Wänden, sicher, geborgen. Er kennt den Weg, weiß um die Gefahren, Freund und Feind auf der Strecke, die er schon so oft zurückgelegt hat. Doch heute ist es anders. Keine Hindernisse, die ihn aufhalten, nur wenige andere, die ebenso wie er dem Ruf der eigenen Heimstatt folgen. Ein schneller Blick, aufblitzendes Einverständnis, schon trennen sich die kurzen gemeinsamen Wege wieder. Als er allein auf weiter Flur die letzten Höhenmeter hinter sich bringt, die Pforte schon in Sichtweite, wird es ihm bewusst, und der Gedanke durchflutet seinen Kopf wie die ersten Sonnenstrahlen es in wenigen Stunden mit den Straßen dieser Stadt tun werden:

“Geil, Alt-Strahlau => Gesundbrunnen in 15 Minuten, ich fahr ab jetzt nur noch durch die Stadt, wenn Deutschland spielt”

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